wenn ein Chor volljährig wird – Temoral ist inzwischen 20

Sehr fassettenreich könnte man den Chor Temporal bezeichnen, denn nicht nur in Pop und Gospel fühlt er sich wohl. Genauso ist Latino und Jazz sein Metier. Durchaus turbulent soll es mit unter zugegangen sein und Achim Frey, Jugendreferent vom Untermakgräfler Sängerbund, der mit elf Aktivisten den Chor installierte hatte sich bei dem Namen auch etwas gedacht – Wirbelsturm. „Ich hatte nicht immer Zustimmung erhalten“ kann sich Frey erinnern. Doch die Kritik nützte nichts und rauskam das erste Konzert in der Martinskirche im Dezember 1990.

Mit dem Medley „California Dreamin‘“ hatte der Temporalchor an diese Zeit erinnert. Vor dem inneren Auge der Zuhörer erstanden nicht nur mit „Monday, Monday“ die späten 60er und frühen 70er Jahre. Die besondere Rhythmik brachte dann der Titel „Blue Skies“.

In der Ära Frey meinte „Oh, Fräulein Grethe“ nur – jetzt heisst ab mit dem Tango. Nach dem pointiert-rhythmischen Welthit „Birldland“

, wobei ich den ersteinmal mit „Lullaby of birdland“ verwechselt hatte, meinte der Pop-, Jazz- und Gospelchor was er denn danach anstellen könnte und im fiel hier nur der Titel „Wenn ich einmal reich wär“ ein. Bei der bekannten Ballade „My Funny Valentine“ aus dem Broadway-Musical „Babes in Arms“ hat Frey ein Klavier-Solo eingebaut, das Thomas Barth ausführte. „Für mich genau das Richtige, wo ich mich endlich mal austoben kann“ musste wohl Thomas Barth gedacht haben als ihm Frey ein Klavier-Solo in die Ballade „My Funny Valentine“, das Teil des Broadway-Musicals „Babes in Arms“ ist, eingeräumt hatte.

Die klassische Phase begann für den Chor Temporal aus der Nähe von Müllheim mit Peter Hilfinger 1999. Als Hommage wählten die Temporal-Aktivisten die „Cantique de Jean Racine“, eine poetisch-religiöse Musik, die Vizedirigentin Sonja Hänig am Klavier zum Schwingen brachte. Im Kontrastprogramm hatten sie den souveränen Beat-Sound von „Keep it Hot“.

Ab 2000 folgten sechs Jahre mit Dirigent Karl Gehweiler. Gehweiler liebte es gefühlsvoll und brachte die lyrische Romantik im Broadway-Stil in den Chor. Ein Beispiel hier der Titel „The Continental“.

http://www.youtube.com/watch?v=4pnd4XMSCUg

Er lebte schlicht vom Solo des Armin Held und verlieh dem stimmungsvollen Gospel „Lord god heavenly king“ zusammen mit dem Temporal-Vorsitzenden Achim Hänig einen Lobpreis für die Seele. Zu Gehweilerszeiten gab es auch mal ein gemeinsames Konzert mit der New Formation in der evangelischen Kirche in Binzen. Hier wurde mir bekannt, dass der Chor bekannt war, dass unpluggt gesungen wurde.

Potenzial bewies der Chor Temporal aus der Müllheimer Region nicht nur mit „Let’s do it“ von Cole Porter. Zur Bestform lief er auf bei den lateinamerikanischen Rhythmen von „Too hot to Samba“, bei dem sich David Manke sich näher mit seiner Gitarre beschäftigte, Wolfgang Fernow aus den 4 Saiten seines Kontrabasses rausholte was nur so ging und Wolfgang Minarik auf seinem Schlagzeug zeigte, dass es auch einen ordentlichen Beat hinbekommt.

„Platzregen“ ist das was man an Temporal liebt und der selbstredend natürlich auch vertreten war. Carmen Fröhlich gab dem afroamerikanischen Gospelsong „Thulasizwe“ von Miriam Makeba mit dem typischen „Call and Response“ erst den richtigen Glanz.

„And now some totaly different“ das hätte jetzt Monty Phython gesagt und ähnlich sagte es sich 2007 auch Thomas Schmidt, auch wenn er als Chorleiter nur mal kurz beim Chor Temporal reingeschaut hatte. Aber trotzdem hatte hatte er vorallem durch die grandiose Soloeinlagen bei der Kaffee-Tee-Hymne „Java Jive“ sich zumindest in die Köpfe eignemeißelt.

Den absoluten Treffer landete Temporal 2007 mit dem Chorleiter Thomas Wiedenhof. Und so wurde nochmals ein toller Regenbogen über die Geschichte des Chores gespannt und er brachte dem Chor sogar nochmal einen Pusch durch die magische Stimmkraft. Den Titel „Mr. Bojangles“ hatte der Dirigent selbst arrangiert und durch das Solo von Achim Hänig kombiniert mit einem Stepptanz von keinem weniger als den Vizeeuropameister Volker Mandau aus Kandern den gewissen Flair.

Höhepunkt mit meisterhaftem Trompeteneinsatz von Christian Grässlin war das „Alleluja“ aus dem aufsehenerregenden Dreiländereck-Konzert 2008, dem zeitgenössischen Weihnachtsoratorium, mit dem der Chor im Dezember in Estland gastiert. Den Standing Ovations folgte die „Bohemian Rhapsody“, ein Popmusik-Stück mit unterschiedlichen Abschnitten von einem A-cappella-Intro über eine Opern-Parodie bis hin zum Hard-Rock.

Der ehemalige Jugendchor, der inzwischen richtig erwachsen geworden ist, sang zwar zum Abschied noch leise „Servus“. Aber hören wird man von ihm bestimmt wieder.

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