Höreindruck der aktuellen CD „Happy People Wehr“

Ein origineller Titel für eine CD eines Gospelchores. Mag sein, dass es dadurch viele Bürger Wehrs gegeben hat, die bei dem Genuß der CD in der Tat glücklich und fröhlich wurden. Oder aber es ist einfach der Name des Gospelchores, der sich hinter der CD verbirgt.

Der Titel „I will follow him“, der aus dem Film „Sister Act I“ mit Whoopy Goldberg stammt, ist eigentlich christlicher Pop. Hier wird der Chor interessanterweise von einer Accoustikgittarre begleitet. Sofern auch ein Keyboard mitspielen sollte, dann wurde es sehr dezent in den Hintergrund gelegt und ist so gut wie gar nicht zu hören.

http://www.youtube.com/watch?v=nqp89bkFe8k

Ich hätte mir vielleicht hier und da sogar noch ein Husummerinnenteil, in Fachkreisen auch Backings genannt, gewünscht, aber als ich mir auf Youtube mal das Original angehört hatte, stellte ich fest, dass auch dort kein Husummerteil vorhanden ist. Sehr kurz kommt die Männerfraktion ins Spiel, in dem sie ein „I did it“ einwerfen. Im späteren Teil singt vorallem der Chor und die Solistin wirkt übernimmt den Husummerinnenpart.

„Oh happy day“ ist irgendwie das Fundament in einem Gospelchor. Ich kenne kaum einen Gospelchor, der diesen Evergreen von Edwin Hawkins nicht singt. Die Geschwindigkeit entspricht in etwa dem Original. Was leider etwas wenig beachtet ist ist der Offbeat, also die Betonung auf 2 und 4, die den Titel noch mehr hätte swingen lassen. In dem mp3-Hörbeispiel ist leider der Hauptteil nicht vorhanden und so kann ich schlecht sagen, ob der Chor beim Übergang zum Teil mit „He tought me how to wash…“ das Tempo anzieht und wie vorallem das „fight and pray“ umgesetzt wird. Ich hatte da schon erlebt, dass gerade hier die Stelle knackiger Gesungen wurde, um etwas Dramatik reinzubringen.

„Rock my soul“ ist ein typischer Kanon, der sich gut zum Warmsingen eignet. Er wurde schon 1971 von den Le Humpries Singers gesungen und könnte evtl. auch in der Flowerpowerzeit entstanden sein. Genau weiss ich es leider nicht. Viele Chöre haben diesen Titel im Repertoire, auch die Gospelformation Joyful Gospel singt diesen Song. In der Version vom Chor wirkt es fast so, dass Frauen und Männer sich abwechseln. Denn zu beginn wirkt der Chor so als ob die Frauenstimmen überwiegen, später hat man den Eindruck, dass sich die Männer ein bisschen durch die weiblichen Stimmen gemogelt hätten.

Nach dem Titel „Thank you for the music“ wurde ich automatisch an die New Formation erinnert, die den Titel auch häufig bei Auftritten gesungen hatte. Das ist eigentlich kein Gospel sondern ein Song der schwedischen Gruppe „Abba“ und sagt nicht viel mehr aus, dass sie sich freuen die Fähigkeit besitzen Musik machen zu dürfen.

http://www.youtube.com/watch?v=Jg6UIb7ef8I

Ich muss zum Video allerdings hinzusagen. Es handelt sich hierbei um einen TV-Auftritt im japanischen Fernsehen. Und leider ist bei genauerem Hinsehen gleich zu merken, dass das Playback leider nicht dem Lippenbewegungen der Agneta übereinstimmt. Die Version vom Chor benutzt nicht Keyboard und Gitarre und auch keinen künstlichen Hall. Es wirkt viel mehr, dass der Titel sehr stark acapella gesungen wird, sich aber immer wieder mit einer E-Gitarre, die eher einen Stringeffekt hat, abwechselt oder jenachdem auch mal gekonnt mischt.

Beim Medley hört man gleich raus, dass hier „He’s got the whole world“ enthalten ist. Es ist allerdings so gesungen, dass ich fast den Eindruck habe, ich müsste jetzt einen großen Kreis für die ganze Welt in die Luft schreiben. Gekonnt wird hier ins „Amen“, ebenfalls ein Ohrwurm, den man kennt übergeblendet wird. Einwürfe wie „amen“, „halleluja“ oder „god praise the lord“ werden hier nicht eingebracht. Vielmehr übernimmt hier eine Solistin bestimmte Phrasen und man hört deutlich raus, dass eine Frauenstimme in einer höheren Lage als die anderen singen. Es ist gut vorstellbar, dass sich dann „This little light of mine“ oder „Oh happy day“ anschließen könnten.

Ein auch schon etwas älterer Gospel, den ich beim Workshop mit Adrienne Morgan-Hammond in Kirchzarten lernen durfte ist „Put your hand in the hand (of the man)“. Er ist ein flotterer Titel, der vorallem zum Mitklatschen, Mitschnippsen oder einfach nur Wippen verleitet.

http://www.youtube.com/watch?v=0gvzilmoMqA&feature=related

Der Chor singt es allerdings nicht so schnell wie in der Youtubeaufnahme, der Countrysängerin Joan Baez. Das einleitende Solo ist hier perfekt unterlägt mit Backings, die vorallem von den Männerstimmen kommen. Das Solo wird nach kurzer Zeit vom Chor förmlich abgenommen und in der Strophe scheinbar fortgeführt. Dass auch hier eine Gitarre begleitet bekommt man erst einige Zeit später mit, wenn hier ein kurzes Zwischenspiel erfolgt, ansonsten hält sie sich hier dezent im Hintergrund.

Wo beim singen vermutlich keiner die Kirche verlassen würde ist der Song „The lions sleep to night“, den vor Urzeiten mal die Gruppe „Tokens“ produziert hatten. Hier konnte sich der Chor wirklich mal stimmlich ausbreiten und das taten sie auch und fügten sich gekonnt um die Solostimme herum. Nach etwa der ersten Strophe hört man hier, dass Percussions einsetzen. Vermutlich mussten diese genommen werden, da ein einzelnes Instrument weniger die typische Urwaldstimmung vermitteln kann.

http://www.youtube.com/watch?v=d51r_mQPJw0

Offensichtlich in einem choreigenen Arrangement wurde das „This is light of mine“ gesungen. Es unterscheidet sich deutlich von dem was man eigentlich so in dem Kopf hat, denn der Titel ist eigentlich sehr bekannt.

http://www.youtube.com/watch?v=qlqlZ1Y8ONQ

Beim Titel kommt der Schwung auf, allerdings finde ich etwas schade dass das „shine“ für mein Gefühl etwas zu sehr ausgesungen ist. Sonst hat man fast den Eindruck, dass der Chor sich bemüht auch wirklich den Offbeat reinzubekommen. Nach einer eher schwungvollen Nummer wie dem „Put your hand in the hands“ eine gute Slowndown-Nummer, wenn man das Puplikum oder in diesem Fall den Hörer der CD wieder etwas abkühlen lassen möchte und ihn aus der bei guten Gospeln durchmal aufkommenden Extase rausholen möchte.

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